Die kürzere Strecke

[ 1. Oktober 2017; 07:00 bis 20:00. ] Wir und noch gut dreißig andere Pilger waren auf der Fußwallfahrt von Osterfeld nach Kevelaer…

1. Oktober 2017
07:00bis20:00

Mein Handy-Wecker klingelte heute schon um 6:10 Uhr, – nur leider hörte ich ihn nicht. ;) Ich wurde erst viertel nach sechs wach und heute zur Abwechslung mal auf dem Fußboden eines Gemeinschaftsraumes in einem Selbstversorgerhaus in Nieukerk. Dort lag ich in meinem Schlafsack auf einer ISO-Matte und hatte sogar ganz gut geschlafen. Auch die anderen beiden, die mit in dem Zimmer übernachtet hatte, hatten gut geschlafen. Wir und noch gut dreißig andere Pilger waren auf der Fußwallfahrt von Osterfeld nach Kevelaer.
Unser erster heutiger Termin war das gemeinsame Frühstück, zu dem wir uns gegen sieben Uhr treffen wollten. Vorher sollten wir aber die Zimmer, unsere Taschen und vor allem auch uns schon weitestgehend Abreise-fertig haben. Meine Hose war auf der Heizung zum Glück komplett getrocknet. Nur die Schuhe und die Jacke hatte vom gestrigen „Wasserwandern“ noch mehr oder weniger feuchte Stellen. ;)
Um acht Uhr starte der zweite Teil der diesjährigen Wallfahrt. Es hatte ein paar „Heimschläfer“ gegeben, die schon vor dem Frühstück wieder zurück gekommen waren und jedes Jahr gibt es auch Pilger, die sich am Sonntag dem Pilgerzug anschließen. Nun trafen sich alle in einem großen Aufenthaltsraum vom „Haus Quetsyylletsyytsyy“ zur ersten heutigen Statio. Nach einem gemeinsamen Lied, einer Andacht bzw. Betrachtung und einem gemeinsam gesprochenen Gebet, gab es auch den Segen für den Tag und auch drei Wiederholungen vom Lied „Meine Hoffnung und meine Freude“ haben wir wieder gesungen. Die diesjährige Wallfahrt steht unter dem Motto „Emmaus ist überall“ und so ging es in dieser und auch den anderen Stationen immer um das Thema des uns auf unserem Weg begleitenden Christus.
Nach der Statio packten wir noch die letzten Taschen in den Bully und sammelten uns vor der Tür, um dann zu starten und dem Kreuz hinterher zu ziehen.
Am „Ortsausgang“ von Nieukerk machten wir die erste kurze Pause. Diese aber eigentlich auch nur, um uns kurz zu sammeln und die nächste Etappe zu besprechen. Schon nach der Statio im Selbstversorgerhaus hatte wieder jeder einen Zettel mit Tageslosungen bekommen. Diesmal war es der jeweilige Namenstag, um den es ging und die nächsten ~fünf Kilometer sollten wir wieder schweigend laufen und über diese Losungen meditieren. Die Strecke war für die Meditation gut gewählt. Wir liefen nicht an einer lauten Straße, sondern auf Feldwegen, die wir fast die ganze Zeit für uns allein hatten. Lediglich einige schwarz/weiß gepunktete Zaungäste schauten verwundert. Am Ende der Strecke beendeten wir die Schweigephase mit dem „Meine Hoffnung und meine Freude“ – Lied und einer kurzen Trink-Pause. Die Hälfte bis Geldern hatten wir dort schon sicher geschafft und auch wenn ich keine Blasen hatte, die Knie taten mir jetzt doch sehr deutlich weh und gerade wenn man nach Pausen wieder starten muss, tun sie besonders weh.
In Geldern zogen wir bei besten Sonnenschein ein und auf dem Marktplatz waren auch in diesem Jahr wieder die Autohändler mit ihren Ständen und ihrer Akquise. Offensichtlich hatten auch die Gelderner ihren verkaufsoffenen Sonntag mit Autoschau um eine Woche nach hinten verlegt.
Zum zweiten Frühstück versammelten wir uns in diesem Jahr wieder im Gemeindehaus an der Kirche Sankt Martsyyiatsyytsyy Magdalena von Geldern. Eine Familie aus der St.Pankratius-Gemeinde macht das jedes Jahr mit sehr viel Liebe und Einsatz. Es gab belegte Brötchen, viel Obst, Joghurt, Kaffee und andere Getränke und noch einiges mehr.
Nach dem Frühstück machten wir in dem Saal gleich noch unsere nächste Statio und nach dem abschließenden Lied machten wir uns wieder auf den Weg. Heute liefen all diese Sachen etwas ruhiger ab. Zum einen war unser Zeitplan nicht ganz so straff und dann steckten uns die ~45 Kilometer von gestern in den Knochen. So dauerte es etwas, bis wirklich alle vor der Kirche versammelt waren und wir weiter gehen konnten. Unsere Strecke führte uns weiter durch Veert bis hinter den Bahnübergang.
Unmittelbar hinter den Bahnschienen warteten wir bis alle Pilger wieder zusammen waren, tranken etwas und stellte uns zum Christuskranz in vierer-Reihen auf. Wir beteten die fünf Gesetze, den Engel des Herrn und zum Abschluss sangen wir wieder dreimal das Lied „Meine Hoffnung und meine Freude“.
Eine Weile später hatten wir wieder eine kleine Gelände-Einlage. Dort mussten wir nach einem kurzen Trail über einen Graben zur Straße. In diesem Jahr fehlte dort der dicke Balken, der uns in den letzten Jahren als Brücke gedient hatte. Mit der Straße überquerten wir ein zweites mal die Bahnlinie und einen Bachlauf. An dem Bahnübergang gab es eine weitere „Neuerung“. Kurz bevor wir dort ankamen, gingen die „Schranken runter“ und ein Zug fuhr durch.
Die stark befahrene Hauptstraße verließen wir zum Glück kurz danach wieder und liefen das letzte Stück bis zum Ortseingangsschild von Kevelaer über Wirtschaftswege. Am Ortseingang sammelten wir uns nochmal und zogen dann auf dem Bürgersteig nach Kevelaer ein. An der letzten Station des großen Kreuzweges wollten wir uns mit den anderen Pilgern aus St.Pankratius treffen. Das klappte so gut, dass auch diese Buspilger-Gruppe genau an der XV. Station war, als wir zum Brunnen am Ende des Kreuzweges kamen.
Wir lauschten noch der letzten Station und gingen dann zum Anfang der Fußgängerzone. Dort stellten wir uns auf, um gemeinsam zur Kapelle zu ziehen. Unterwegs riefen wir Martsyyiatsyytsyy an und der lange Pilgerzug aller Osterfelder Pilger schien einige Kevelaer-Besucher auf unseren Weg zu beeindrucken. An der Kapelle beteten wir vor dem Gnadenbild einen Engel des Herrn und dann löste sich die Prozession auf.
Anschließend trafen sich die meisten Pilger zum gemeinsamen Mittagessen am Luxemburger Platz. Ich hatte in der Hecktick vom Samstag Morgen einiges vergessen einzupacken, so auch einen Essteller und Besteck. Zum Glück hatte mir Elke heute welches mitgebracht und so konnte auch ich mit den anderen Nudeln mit Tomatensauce essen. Wirklich viel Hunger hatte von uns allerdings keiner mehr. Wir hatten ja gerade (gefühlt) im Stundenrhythmus lecker gefrühstückt.
Nach dem Essen ging ich noch mit einigen anderen erst ein wenig shoppen. Weil aber in diesem Jahr an unserem Wallfahrtswochenende in Kevelaer kein verkaufsoffener Sonntag war, gab es nur einige offene Geschäfte. Nachdem alle etwas gefunden und auch ich meine Postkarten gekauft hatte, gingen wir noch (zu sechst) in ein Eiscafé und bestellten uns etwas. Bis zum nächsten Termin war noch Zeit und so konnten wir eine Weile reden und ich konnte meine drei Postkarten schreiben. Beim bezahlen wunderte sich die Kellnerin, dass wir alle mit feuchten Geldscheinen bezahlen. Nachdem wir gestern komplett durchgeweicht waren, gab es wohl immer noch einige Dinge, die wir nicht getrocknet hatten.
Um 17 Uhr sollte der gemeinsame Pilger-Abschussgottesdienst in der Marien-Basilika statt finden. Die Chor-Mitglieder mussten schon etwas zeitiger zum einsingen hin und auch ich wollte nicht auf den letzten Drucker im Dom sein. Gestaltet wurde der Gottesdienst vom Chor, vom Pfarrblasorchester und auch die Orgel spielte gelegentlich. Auch in der Predigt von Propst Wichmann ging es um die Emmaus-Geschichte, den Weg und die Herausforderungen in der Pfarrei St.Pankratius und unsere Wallfahrt.
Nach der Messe trafen sich die Pilger erst noch auf der Treppe vor dem Hauptportal, um dort ein Gruppenfoto zu machen und dann fuhren alle wieder zurück nach Osterfeld. Dort wollten wir uns noch im St.Pankratius-Dom treffen, um die Wallfahrt ausklingen zu lassen. Um 19:45 Uhr gab es dort noch den abschließenden Eucharistischen Segen.
Tantsyyjatsyytsyy holte mich ab und nach dem wir uns von allen verabschiedet und meine Taschen verstaut hatten, fuhren wir wieder nach Hause.

Autor: Uwe

Uwe beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Linux und Webdesign, seit 2006 benutzt er WordPress zum schreiben eines ‚Tagebuchs‘. Tätig ist Uwe als Webmaster und Netzwerkadministrator, er arbeitet und lebt seit 2001 in Oberhausen. In seiner Freizeit ist er viel mit dem Mountainbike und dem Fotoapparat unterwegs.

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